Es kommt die Zeit hoho, in der das Wasser wieder steigt.
(provokanter Gesang unseres Blocks, bezogen auf kommende Hochwasser der Elbe in Dresden)
Eigentlich hatte ich mit dem Spiel und meiner Anwesenheit bei selbigem schon abgeschlossen, als mich eine knappe Woche vor dem Spiel ein Anruf erreichte, der mir doch noch eine Möglichkeit eröffnete, eine Eintrittskarte nebst Fahrkarte für den Sonderzug zu bekommen.
Diese ergriff ich natürlich und war so beim Stimmungshighlight des Jahres dabei.
Da die Zugverbindungen nach Berlin über Nacht wenig befriedigend sind, fuhr ich am Freitag mit dem Auto nach Berlin, übernachtete dort und war pünktlich zur Abfahrt des Zuges in Berlin-Lichtenberg.
Dort stieg ich mit ca 100 weiteren Hansafans zu. Im Zug (es war mit 1400 Fans der größte Sonderzug, den wir je hatten) herrschte bereits beste Stimmung.
Die Riege der „alten Männer“ hatte im letzten Wagen des Zuges Zuflucht gefunden. Ich gesellte mich hinzu.
Während der Fahrt schmeckte das mitgebrachte Bier und die Gespräche plätscherten so dahin. Den ersten Höhepunkt erfuhr die Fahrt bei der Ankunft in Dresden.
Die Ordnungskräfte hatten unseren Bahnsteig und auch große Teile des Bahnhofs komplett abgeriegelt. Unser Ansinnen vom Bahnhof zum Stadion zu laufen, wurde leider abschlägig beschieden.
Vielmehr standen 14! Busse bereit, die die gesamte Sonderzugbesatzung direkt zum Stadion fuhren.
Auch der Gästebereich des Stadions glich einer Festung, so dass auch hier ein Zusammentreffen mit den gegnerischen Fans absolut unmöglich war.
Obwohl sich die Einlaßkräfte reichlich Zeit bei den Eingangskontrollen ließen, und auch einen Durchbruchversuch der Hansafans abwehrten, konnten sie offenbar nicht verhindern, dass auch dieses Mal Bengalos und Raketen in den Gästeblock gelangten.
Diese kamen dann kurz vor dem Anpfiff zum Einsatz und tauchten den Block wieder in einen undurchdringlichen Nebel.
An derlei Aktionen hat man sich bei Auswärtsspielen inzwischen ja schon gewöhnt.
Was ich allerdings nicht in Ordnung fand, war die Tatsache, dass die benachbarten Blöcke der Dresdener und auch das Spielfeld mit Feuerwerksraketen beschossen wurden.
Ein Treffer genau auf den Mittelpunkt des Spielfeldes führte dazu, dass die Ballkinder wie die kleinen Hasen in die Kabine zurückrannten. Solche Dinge gehen einfach nicht.
Auf der linken Seite neben dem Rostocker Block hatten sich dann auch einige sportlich ambitionierte Dresdener zum netten Nachmittagsplausch mit uns eingefunden.
Diese waren aber rhetorisch stark eingeschränkt, so dass keine wirkliche Unterhaltung zustande kam.
Zum Spiel verliere ich wie gewohnt nur wenige Worte.
Die erste Chance gehörte den Hausherren, die durch einen Freistoß von Fiel den Pfosten trafen.
Der Nachschuß brachte keine weitere Gefahr.
In der Folge bekam der FC Hansa das Geschehen besser in den Griff und erspielte sich nun seinerseits einige Chancen, die allerdings alle nicht wirklich zwingend waren.
Bis zur 25. Minute, in der es dann ganz schnell ging. Lartey steil auf Ziegenbein, der flankt von rechts auf Schied, welcher im Strafraum völlig frei zum Kopfball kommt. 1:0 für uns.
Leider stellte Esswein nur vier Minuten später wieder alles auf Anfang.
Weitere erwähnenswerte Chancen gibt es vor der Pause nicht mehr.
Nach dem Wechsel dauert es nur weitere vier Minuten, und Hansa ist mit 2:1 hinten.
Vorausgegangen sind eine missglückte Abseitsfalle und ein schlimmer Torwartfehler.
Kevin Müller verlässt sein Tor viel zu spät, so dass sein Namensvetter auf Dresdener Seite vor ihm am Ball ist und ihn mühelos überlupfen kann.
Hansa hätte direkt nach dem anschließenden Anstoß wieder ausgleichen können, aber Ziegenbein verfehlt das Tor ganz knapp.
Danach haben sowohl die Rostocker einige Möglichkeiten zum Ausgleich, als auch die Dresdener, um das Spiel zu entscheiden, bevor Ziegenbein in der 85. zum insgesamt gerechten 2:2 einschießen kann.
Da nun aber die beiden Verfolger Braunschweig und Wiesbaden gewonnen haben, ist Hansa der Verlierer des Spieltages im Spitzenquartett. Scheiße!
Nach dem Spiel geht es dann wieder mit Bussen und unter massivem Polizeiaufgebot zum Bahnhof, welcher natürlich auch wieder hermetisch abgeschirmt ist.
Erwähnenswert finde ich noch, dass die Polizei inzwischen mit Video-Drohnen arbeitet.
Kleine ferngesteuerte Flugzeuge, die über unseren Köpfen umherschwirrten und all unsere Bewegungen filmten. Toll!
Das eröffnet doch ganz neue Möglichkeiten für die Staatsmacht. Wenn man die Dinger noch ein wenig kleiner macht, können sie sogar mit uns auf`s Klo fliegen.
Ich sehe auch schon eine Video-Drohne vor meinem Fenster auftauchen, die dann, je nach gerade angewandter Stellung, entweder meinen oder den nackten Arsch meiner etwaigen Partnerin filmt.
Verstöße gegen gute Sitten werden dann wahrscheinlich mit Kontaktverbot geahndet.
Ich schweife ab.
Aufgrund des großen Polizeiaufgebots bleibt also auch die Fahrt zum Bahnhof ohne Zwischenfälle.
Was dann allerdings verwundert ist, dass auch bei der Ausfahrt des Sonderzuges aus dem Bahnhof, dieser trotz des guten Geländes an der Strecke, Dresden völlig unbehelligt verlässt.
Wir hatten nach all den vollmundigen Ankündigungen im Internet doch wenigstens erwartet, dass ein paar Dresdener Sportler aus den Büschen springen und den Zug zumindest mit einigen Steinwürfen attackieren würden.
Nichts dergleichen geschah. Offensichtlich trauen sich die Dresdener Fans nur an den Zug heran, wenn noch keine Rostocker drinsitzen.
Dafür fahren sie allerdings dann bis nach Rostock, um ihn zu beschmieren, wie am Vortag der Fahrt geschehen.
Ziemlich enttäuscht….
Jens
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