Kniet nieder, ihr Bauern, Hansa ist zu Gast!
Nachdem ich in Bremen nach über einem Jahr Abstinenz wieder begonnen habe, aktiv am Auswärtsspielbetrieb teilzunehmen, führte mich mein zweiter Auftritt in dieser Saison fast in meine Heimat, nämlich nach Potsdam, zum dortigen SV Babelsberg. Dabei war auch das Karl-Liebknecht-Stadion ein für mich durchaus vertrauter Ort, habe ich doch als Kind bereits hier gespielt, und sogar auf der Tribüne meine Notdurft verrichtet, da ich damals die Toilette nicht fand. Dies brachte mir seinerzeit einen ordentlichen Anschiss meines Trainers ein. Bei meinem zweiten Besuch am vergangenen Samstag durfte ich nun aber feststellen, dass das Stadion noch genauso steht, wie vor 30 Jahren. Also hat die Bausubstanz unter meinen Ausscheidungen offensichtlich nicht nachhaltig gelitten. Aber der Reihe nach!
Zu viert machten wir uns bereits um 7.30 Uhr auf den Weg von Bremen. An dieser Stelle möchte ich gleich einmal unseren Fahrer hochleben lassen, der uns alle von zu Hause abholte, und mich am Abend auch direkt vor meiner Haustür absetzte. Hätte ich darum gebeten, hätte er mir bestimmt auch noch mein Bettchen aufgeschüttelt.
Die Fahrt verlief ohne Stau und sonstige besonderen Vorkommnisse, so dass wir gegen 11.30 Uhr in Potsdam eintrafen.
Der Platz vor dem neuen Hauptbahnhof und der Weg zum Stadion glichen einer Festung. Polizei in Schwarz, Blau und Grün bewaffnet mit Knüppeln und geschützt mit Helmen und Westen ließ vermuten, dass man erwartete, dass die Stadt von einem Panzerbataillon der Taliban oder Al Kaida heimgesucht würde. Es waren aber nur ca 3000 Hansafans, für die dieser ganze Zirkus veranstaltet wurde. Als sich dann die Besatzung des Entlastungszuges aus Rostock auf den Weg zum Stadion machte, hatte man dann auch den Eindruck, es handele sich um einen Transport von Schwerverbrechern von einem Gefängnis zum anderen. Aber ganz ehrlich, irgendwie hat es auch was, für so gefährlich und unheilbringend gehalten zu werden. In ganz Deutschland schrillen die Alarmglocken, wenn Hansa Rostock kommt.
So gab dann im Stadion auch nur alkoholfreies, was der Stimmung allerdings keinen Abbruch tat, da man ja vorher in den Kneipen in unmittelbarer Stadionnähe vorglühen konnte. So weit reichte der Arm des Gesetzes dann zum Glück doch nicht.
Erwähnenswert finde ich noch, dass ich zum ersten Mal seit 25 Jahren durch die Einlasskontrolle geschlüpft bin, ohne dass man mich ausgiebig abgetastet hat.
Zu meinem Erstaunen gab es dann auch tatsächlich so etwas, wie einen heimischen Fanblock. Dieser stand direkt neben dem Rostocker Anhang und brachte es dann auch etwa auf ein Zehntel der Größe des Rostocker Blocks.
Zum Spiel selbst schreibe ich hier nicht so viel, da das auf der Hansaseite gut nachzulesen ist. Nur soviel, dass Hansa das Spiel in der ersten Hälfte weitgehend im Griff hatte, und durch ein Tor von Ziegenbein, welches allerdings sehr sehenswert war, verdient zur Pause führte.
In der zweiten Hälfte ließ man die Babelsberger für meinen Geschmack etwas zu sehr spielen, war aber zum Glück clever genug, in diese Drangperiode hinein das 2:0 zu markieren. Torschütze war Schied. Ich wusste gar nicht, dass der auch Tore schießen kann. Und das war schon sein drittes in dieser Saison. Damit war den Gastgebern dann endgültig der Zahn gezogen, so dass das Spiel locker und gemütlich dem Ende entgegen plätscherte.
Nach dem Spiel durften wir dann noch eine gemütliche Stunde in einer gastronomischen Einrichtung verweilen, und uns an leckerem Bier laben, bevor es mit noch einigen Flaschen Bier bevorratet nach Hause ging.
Zusätzlich zu den bereits oben genannten Vorzügen unseres Fahrers, war er auch noch ein Vorbild an Weitsicht, so dass er doch tatsächlich einen Ball im Kofferraum mit sich führte. Dies gab uns die Möglichkeit, die wichtigsten Spielszenen auf einem Autobahnparkplatz noch einmal nachzuspielen, was sich bei spärlicher werdendem Tageslicht und fortgeschrittenem Bierkonsum allerdings recht schwierig gestaltete. Aber der Wille zur Bewegung sollte uns schon höchsten Respekt unserer Mitmenschen eintragen.
In diesem Sinne:
Sport frei!
Jens
- Blog von motte
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